Am 25. November ist der internationale Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen. Amnesty International ruft im Rahmen des Aktionstages dazu auf, sich gegen jegliche Diskriminierung und Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen zu engagieren.
Gewalt hat viele Gesichter und sie begegnet uns überall: Zuhause, auf der Arbeit, im öffentlichen Raum, im Netz. Sie beginnt nicht erst mit Schlägen. Auch Bedrohungen, Beschimpfungen und Kontrolle sind Formen von Gewalt. Gewalt gegen Frauen ist eine der am häufigsten verbreiteten Menschenrechtsverletzungen der Welt, auch in Deutschland: Fast alle zwei Tage tötet ein Mann seine (Ex-)Partnerin. Jeden Tag findet ein Tötungsversuch statt. Mehr als alle 4 Minuten erlebt eine Frau Gewalt in ihrer Partnerschaft. Jede dritte Frau erfährt mindestens einmal in ihrem Leben physische und/oder sexualisierte Gewalt. Gewalt gegen Frauen wird in den meisten Fällen von Männern ausgeübt. Die meisten Täter stehen den Frauen nahe: Partnerschaftsgewalt ist die häufigste Gewaltform und umfasst körperliche, sexualisierte, emotionale, ökonomische und psychische Gewalt.
Mädchen und Frauen mit Behinderung erleben je nach Gewaltform zwei bis dreimal häufiger Gewalt als der Bevölkerungsdurchschnitt. Fast die Hälfte hat sexuelle Gewalt in Kindheit, Jugend oder im Erwachsenenalter erlebt. Sie erfahren fast doppelt so häufig körperliche Gewalt wie Frauen ohne Behinderungen und etwa 70 Prozent bis 90 Prozent der Frauen mit Behinderungen haben bereits psychische Gewalt im Erwachsenenleben erfahren.
Häusliche Gewalt gegen Frauen nimmt zu und kennt keine geographischen Grenzen. Sie beschränkt sich nicht auf ein bestimmtes Alter oder eine bestimmte Hautfarbe und betrifft alle Arten familiärer Beziehungen und soziale Klassen. Statistiken zeigen, dass 12 % bis 15 % der Frauen in Europa jeden Tag Opfer häuslicher Gewalt sind.
Die UN-Kampagne “Orange the World” macht seit 1991 auf Gewalt aufmerksam: vom Internationalen Tag zur Beendigung der Gewalt gegen Frauen am 25. November bis zum 10. Dezember, dem Tag der Menschenrechte. Dann setzen auf der ganzen Welt Menschen, Städte, Organisationen und Unternehmen mit der Farbe Orange ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen: mit Kleidung, Pins, Aktionen, Beleuchtung, Fahnen, Veranstaltungen und vielem mehr!
Männer machen ebenso Gewalterfahrungen, die jedoch in der Gesellschaft immer noch ein Tabuthema sind. Auch hier gibt es viele Formen, darunter körperliche Gewalt, verbale, psychische sowie sexuelle und häusliche Gewalt, denen Männer und Jungen zum Opfer fallen können.
Immer noch stößt insbesondere häusliche Gewalt gegen Männer gesellschaftlich auf wenig Interesse. Die Opfer schweigen oft aus Angst und Scham, oder nehmen solche Übergriffe selbst gar nicht erst als Gewalttaten wahr. Folglich gibt es kaum nachprüfbare Informationen über das Ausmaß der Gewalt gegen Männer. Zudem gibt es bis heute nur eine bruchstückhafte Hilfestruktur für von Gewalt betroffene Jungen und Männer sowie schwule, bisexuelle, transgender, transsexuelle und intersexuelle Menschen. Männliche Opfer zögern, Anzeige zu erstatten oder Hilfe zu suchen, weil dies sozial stigmatisiert wird, aber die Hindernisse sind auch strukturell bedingt: Männliche Strafverfolgungsbeamte zögern eher, Anzeige zu erstatten, wenn ein Mann Opfer z. B. häuslicher Gewalt ist.
Links zum Thema:
Startseite – UN Women Deutschland
BMFSFJ – Hilfe und Beratung bei Gewalt
Prävention – bff Frauen gegen Gewalt e.V.
Männerberatungsnetz • Beratungsangebote für Jungen, Männer und Väter.
Krisen- und Gewaltberatung für Männer